Projekt „Deutscher Qualifikationsrahmen Beratung“

Berichte aus der DGVT

Kurz und Knapp

Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) Beratung macht Beratungskompetenzen überprüfbar und sichtbar. Einerseits können Berater*innen formal, non-formal und informell erworbene Kompetenzen nachweisen und andererseits erhalten Ratsuchen- de und Auftraggeber*innen Auskunft über geprüf- te Kompetenz. Dies kann für Adressat*innen den Weg zu kompetenter und verlässlicher Beratung verkürzen und erleichtern.

 

Was ist der DQR Beratung?

Der Deutsche Qualifikationsrahmen ordnet Lern- ergebnisse bzw. Kompetenzen, d. h. Wissen, Fer- tigkeiten, soziale Kompetenzen und den Grad der Selbstständigkeit in die acht Niveaus des Europäi- schen Qualifikationsrahmens (EQR) ein und macht sie so europaweit vergleichbar. Kompetenzen kön- nen über formales Lernen (z. B. Berufsausbildung, Hochschulbildung), nicht-formales Lernen (z. B. frei angebotene Weiterbildungsgänge) und informelles Lernen (z. B. nicht-institutioneller Kompetenzer- werb im Alltag) erworben werden. Die Kompetenz- beschreibungen nach DQR beziehen sich auf die zwei Kompetenzkategorien Fachkompetenz (Wissen und Fertigkeiten) und Personale Kompetenz (So- zialkompetenz und Selbständigkeit). Für den Be- reich der formalen Bildung befindet sich beispiels- weise

  • auf dem Niveau 8 die Promotion,
  • auf dem Niveau 7 der Masterabschluss,
  • auf dem Niveau 6 der Bachelorabschluss

die Meister*inausbildung,

  • auf dem Niveau 5 der Abschluss als geprüfte*r Servicetechniker*in oder zertifizierte*r IT-Spe-

zialist*in,

  • auf dem Niveau 4 die duale Berufsausbildung (3/3,5 Jahre),
  • auf dem Niveau 3 die duale Berufsausbildung

(2-jährig),

  • auf dem Niveau 2 der Abschluss einer Berufs- fachschule (berufliche Grundbildung) und
  • auf dem Niveau 1 Berufsausbildungsvorberei-

tung.

Im zu erarbeitenden und von der Deutschen Gesell- schaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e. V. sowie ihrem Berufsverband DGVT-BV mit geförderten Vorhaben eines Deutschen Qualifikationsrahmens Beratung werden Beratungskompetenzen beschrie- ben und den verschiedenen Niveaus des EQR zu- geordnet. Beratungskompetenz wird schon jetzt vor allem durch eine Kombination von formalem und nicht-formalem Lernen erworben. Hinzu kom- men jedoch oft wichtige informell, im persönlichen Sozialisationsprozess erworbene Kompetenzen (z. B. soziale Kompetenzen). Die den DQR/EQR- Stufen zugeordneten Kompetenzen sind auf die Beratungsprofession insgesamt und auf das Kom- petenzniveau bezogen spezifische Beratungskom- petenzen. Sie bleiben aber unspezifisch, bezogen auf das Beratungsfeld, den Beratungsgegenstand usw. Feldkenntnisse und zusätzliche Kompetenzen, die sich aus der spezifischen Beratungsaufgabe ergeben, werden im Rahmen des DQR nicht fest- gelegt.

Es gibt bereits einige erarbeitete Kompetenz-

beschreibungen, wie das europäische Kompetenz- profil für Supervision und Coaching „EC Vision“ (www.oevs.or.at/fileadmin/oevs_website/user_up- load/ECVision_Kompetenzprofil.pdf) oder das Kompetenzprofil für Beratende in Bildung, Beruf und Beschäftigung (www.forum-beratung.de/cms/ upload/BQ/BeQu-Kompetenzprofil.pdf).

 

Was bedeutet das für Beratung und ihre Qualität?

Wenn die zuständige Bund-Länder-Koordinierungs- stelle einen Zuordnungsvorschlag anerkennt, kön- nen Absolvent*innen in ihrem Abschlusszeugnis einen Vermerk über das Kompetenzniveau erhalten. Dies ist bei der sogenannten formalen, staatlich geregelten Bildung (u. a. Schule, Berufsausbildung, Hochschule) bereits der Fall. Diese Zuordnung hat europaweit Gültigkeit.

Da Beratungskompetenzen in Deutschland je- doch oft auf dem nicht-formalen Weg, also z. B. im Rahmen frei angebotener, berufsbegleitender Wei- terbildungen vermittelt werden, soll der DQR Be- ratung die Möglichkeit geben, dass auch professionelle Berater*innen, die sich außerhalb formaler Bildungswege qualifiziert haben, ihre Beratungs- kompetenz – etwa entsprechend eine*r Hochschul- absolvent*in – europaweit nachweisen können. Somit können Berater*innen unterschiedlichster Verfahren und Schulen in ihrer Beratungskompe- tenz verglichen werden. Das heißt für Ratsuchen- de, Arbeitgeber*innen und Auftraggeber*innen die Beratungskompetenzen von Berater*innen, unabhängig von deren methodischer Ausrichtung, besser einschätzen und sich im vielfältigen Bera- tungsangebot orientieren zu können.

Wer ist die DGfB?

Die Deutsche Gesellschaft für Beratung e. V. (DGfB) versteht sich als Dachverband professioneller Be- ratung. Sie vernetzt und repräsentiert Praktike- r*innen, Ausbilder*innen und Forscher*innen. Die Positionen der DGfB werden als orientierende Ex- pertise von Beratungsklient*innen, Fachöffentlich- keit, allgemeiner Öffentlichkeit sowie all jenen abgerufen, die gesellschaftlich handeln und dabei

 

Unterstützung brauchen. Die DGfB gründete sich im Jahr 2004 als Ergebnis eines offenen Koordinie- rungsprozesses diverser Beratungsakteure: Von der Berufsberatung bis zur Erziehungs- Ehe- und Fami- lienberatung, von der Suchtberatung bis zur be- trieblichen Sozialberatung, von Supervision und Coaching bis zur Organisationsberatung. Als Dach- verband von derzeit 21 Fach- und Berufsverbänden repräsentiert sie heute über 25.000 aktive Bera- ter*innen in Deutschland. Die DGf B ist so zum führenden Verband für professionelle Beratung im deutschen Sprachraum geworden.

 

Annett Kupfer & Stephan Schmitz

 

Zu den Autor*innen

Dr. phil. Annett Kupfer, Mitglied des Forum Bera- tung der DGVT und im Projektteam des Deutschen Qualifikationsrahmens Beratung.

 

Stephan Schmitz (DGfB), Mitglied im Projektteam Qualifikationsrahmen Beratung.

 

Hier der Artikel zum Download als PDF: Artikel_DGVT_Kupfer&Schmitz

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